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Im Interview: Mehdi Bennani

Im Interview: Mehdi Bennani

10/04/2015 12:55

Mehdi Bennani hat Geschichte geschrieben, als er 2014 als erster arabischer Fahrer ein Rennen der FIA Tourenwagen Weltmeisterschaft für sich entschieden hat. Nun nimmt der aus Marokko stammende Rennfahrer, der in diesem Jahr einen Citroën C-Elysée WTCC für Sébastien Loeb Racing pilotiert, weitere Erfolge ins Visier – bei seinem Heimrennen in Marrakesch, wo von 17. bis 19. April 2015 die Eurodatacar WTCC Rennen von Marokko ausgetragen werden.

Mehdi, Deine Heimrennen stehen bevor. Wie wichtig ist Dir dieses Rennwochenende?
«Sehr wichtig. Für mich gibt es in diesem Jahr zwei Veranstaltung, die von großer Bedeutung sind – Marokko und Katar. Denn ich weiß, bei diesen beiden Rennwochenenden werden die Leute speziell auf mich schauen. Und wenn ich mir aussuchen könnte, bei welchen Rennen ich in dieser Saison die besten Ergebnisse einfahre, dann wären es diese beiden Veranstaltungen.»

In Argentinien hast Du eine beeindruckende Geschwindigkeit an den Tag gelegt. Wie stehen Deine Chancen auf einen Heimsieg in Marrakesch?
«Ich denke nicht an den Sieg. Ich denke vielmehr darüber nach, dass ich mein Bestes geben will, mit einhundert Prozent Einsatz. Wenn uns das in eine gute Position bringt, wie zum Beispiel die Top 5, dann wäre das sehr zufriedenstellend. Einfach wird es aber nicht. Wir kämpfen schließlich gegen die besten Werksteams und die besten Fahrer. Es gibt viele Dinge, die perfekt zusammenkommen müssen. Das Qualifying ist einer der Schlüsselmomente. In Argentinien ist mir genau in diesem Augenblick ein großer Fehler unterlaufen. Aber das passiert, wenn man am Limit fährt. Manchmal schießt man eben darüber hinaus.»

In Argentinien bist Du mit einem Grinsen ausgestiegen, nachdem Du Deine ersten Runden im Citroën C-Elysée zurückgelegt hattest. Wie viel Freude macht Dir dieses Fahrzeug?
«Ich bin schon sehr überrascht. Meine Karriere hat im Formelsport begonnen und ich hatte stets die Formel 1 im Sinn. Ich habe mit der Formel 3000 aufgehört, um in die WTCC zu wechseln, wo ich 2009 als Gaststarter in Marrakesch mein Debüt gab. Danach war ich nicht sehr zufrieden, weil ich dachte, dass Formelautos noch viel mehr Spaß machen. Es ist schon seltsam: Der Citroën vermittelt mir das Gefühl, mehr ein Formelauto als einen Tourenwagen zu sein. Deshalb habe ich gegrinst. Es ging mir nicht um das Ergebnis, sondern darum, was ich als Fahrer im Auto empfunden habe. Du spürst, dass du am Limit bist, und das Auto verhält sich gut und aggressiv. Das gefällt mir.»

Beim Saisonauftakt in Argentinien bist Du mit Rob Huff und Yvan Muller aneinander geraten. Hast Du Dich seither mit diesen Fahrern unterhalten? Was habt Ihr besprochen?
«Mit Yvan habe ich noch an Ort und Stelle gesprochen, mit Huff nicht so viel. Aber so ist das halt in einem Rennen. Das Racing in der WTCC ist anders als beispielsweise in der Formel 1. In der Formel 1 gibt es viele Rennrunden. Es ist mehr ein Langstrecken-Rennen als ein Sprint. Bei nur elf, zwölf Runden in der WTCC musst du ganz anders fahren. Du kannst überholen, doch ein solches Manöver muss sauber sein. Sonst machst du dein Auto und dein Rennen kaputt. Allerdings macht jeder viel Druck und da kracht es schon mal beim Start. Manchmal muss man sich eben an die Gegebenheiten anpassen. Ich war innen neben Rob. Ich kam also nicht aus dem Nirgendwo und ich wollte auch keinen Unfall verursachen, wie mir unterstellt wurde. Ich wollte ihn überholen. Auf den Bildern ist zu sehen: Er hat zu sehr rübergezogen. Ich war schon innen neben ihm. Ich habe noch versucht, eine Berührung zu vermeiden und blockierte beide Vorderräder, um das Auto zu verzögern. Doch was passiert ist, ist passiert. Da gab es keine Gewinner. Mit Yvan war es anders. Ich weiß nicht genau, was vorgefallen ist, aber es war nicht schön. Am Ende kam er aber zu mir und hat sich entschuldigt. Er erklärte mir, er habe versucht, das Auto noch abzubremsen. Jeder macht Fehler. Wenn keine Fehler passieren, ist es kein Rennen und nicht realistisch. In Marokko gibt es viele Fans, die die Formel 1 für langweilig halten, weil nicht überholt wird. Aber sie lieben die WTCC, weil dort so viel passiert.»

In Marrakesch wird überlegt, eine permanente Rennstrecke zu errichten. Was würde das für das Wachstum des Motorsports in Marokko und für Dich persönlich bedeuten?
«Für mich als Rennfahrer wäre das eine schöne Geschichte. Denn es würde bedeuten, dass sich der Motorsport gut entwickelt. Ich selbst arbeite mit 25 jungen Rennfahrern in einer Gokart-Akademie. Ich bin dazu da, sie voranzubringen. Eine permanente Rennstrecke würde da natürlich helfen.»

Letzte Frage: Was ist das Schöne an Marokko und mit welcher Art von Willkommen dürfen die Besucher rechnen?
«Alles ist schön in Marokko! Das Wetter ist toll, das Essen ist lecker, die Menschen sind freundlich und sie bereiten ein warmes Willkommen. Fußball und Leichtathletik sind große Sportarten bei uns. Aber inzwischen stehen die Fans auch hinter dem Motorsport und hinter der WTCC.»

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