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eSports WTCC: Interview mit Márk Nándori

eSports WTCC: Interview mit Márk Nándori

06/08/2017 12:00

Als aktueller Dritter der Gesamtwertung der ersten Saison von eSports WTCC und damit einer der Titelkandidaten greift Márk Nándori am heutigen Sonntag auf dem Slovakiaring nach seinem dritten Saisonsieg. Robert Wiesenmüller von RaceRoom hat sich mit dem Ungarn unterhalten.

Frage: „Hallo Márk! Die Saison begann für dich mit einem Paukenschlag: Sieg am ersten Rennwochenende von eSports WTCC in Monza, nachdem du dort Tim Heinemann geschlagen hast. Was war das für ein Gefühl für dich?“
Márk Nándori: „Alles begann im ersten Rennen. Ich startete von Platz elf und war dank eines perfekten Starts nach der ersten Kurve schon Sechster. Nach einigen Feindberührungen fiel ich auf Rang 13 zurück. Ich wollte aber ein Top-10-Ergebnis einfahren, um mir damit eine gute Startposition für Rennen 2 zu sichern. Ich habe es schließlich noch bis auf Platz sieben geschafft. Im 2. Rennen startete ich somit von Platz vier. Dann machte David Nagy einen Fehler, ich kam an Gergo Baldi vorbei und lag plötzlich an zweiter Stelle hinter Tim. Mir fiel auf, dass ich in der Roggia-Schikane später bremsen kann als die anderen Fahrer. In der Schlussphase des Rennens erwischte ich die ersten beiden Kurven perfekt und überholte ihn. Das war vielleicht mein bestes Überholmanöver, das ich je gezeigt habe.“

Frage: „Wie hast du es im Online-Rennsport dorthin gebracht, wo du heute bist?“
Nándori: „Im Jahr 2012 bekam ich meinen ersten eigenen Computer. Da hatte ich schon ein Logitech-Lenkrad und spielte Race07 mit den WTCC-Autos sowie rFactor. 2013 kaufte ich mir dann mein erstes echtes ‚Rennlenkrad‘, ein Logitech G25. Ich zockte oft mit meinen Freunden und begann dann auch, Online-Rennen zu fahren. Anfangs baute ich aber viele Unfälle und wurde sogar für eine Saison disqualifiziert. Ich musste herausfinden, was das Problem an meinem Fahrstil war. 2015 machte ich große Fortschritte, als ich im virtuellen Seat León Eurocup fuhr. Ich trainierte wie ein Verrückter. Die Top 4 dieser Liga, darunter auch Gergo Baldi, erhielten einen Test in einem echten Rennwagen. Ich wurde Fünfter… Also fuhr ich weiterhin Rennen am Computer. 2016 begann ich in der ungarischen VSR Community damit, RaceRoom zu spielen. So kam ich dann letzten Endes zu eSports WTCC.“

Frage: „Nach zwei Saisonsiegen liegst du auf Platz drei der Gesamtwertung. Kannst du den ersten Titel in der Geschichte von eSports WTCC erringen?“
Nándori: „Bevor die Saison begonnen hatte, wollte ich einfach nur wissen, wo ich in der internationalen Szene stehe. Ich rechnete mir ein paar Punkte aus, erreichte aber direkt zu Beginn so viel mehr. Inzwischen glaube ich an mich selbst und glaube, dass ich es mit den besten Online-Fahrern aufnehmen kann. Mein neues Ziel ist der Titel. Eine Platzierung in den Top 3 am Saisonende würde mich aber auch glücklich machen.“

Frage: „In Ungarn genießt die WTCC dank Norbert Michelisz einen hohen Stellenwert. Du fährst jetzt fast in derselben Rennserie wie er und fährst zudem seinen Honda mit der Startnummer 5. Wie fühlst sich das an?“
Nándori: „Ich war sehr glücklich, als ich hörte, dass ich ’sein‘ Auto fahren darf. Das verleiht mir zusätzliche Motivation. Schließlich ist er eines meiner Vorbilder. Norbert Michelisz war es, der mich überzeugt hat, dass ein Online-Rennfahrer auch im echten Rennwagen Erfolg haben kann. Er zeigt, dass man an seinen Träumen festhalten sollte. Seitdem die WTCC im Jahr 2011 erstmals in Ungarn zu Gast war, war ich jedes Jahr vor Ort. Wenn tausende Menschen den Namen eines Fahrers rufen und ihn unterstützen, dann kann das sehr emotional werden. So ist es in jeder Sportart, wo Ungarn mitmachen. Die Fans machen das immer. Vielleicht erreicht Simracing ja eines Tages auch dieses Level.“

Frage: „Simracing wird immer professioneller. Du bist kürzlich dem Team SDL eSports beigetreten. Was hältst du von der Richtung, die von Online-Rennen generell eingeschlagen wird?“
Nándori: „eSports hat in den vergangenen Jahren einen richtigen Boom erlebt. Das lag an Spielen wie GS:GO, DotA 2 und anderen. Simracing hat noch nicht diese breite Masse an Spielern und Fans. Ich habe vom Event GS:CO große Teile verfolgt und hoffe, dass Simracing eines Tages auch dieses Level erreichen wird. Vielleicht hilft ja der Wettbewerb, um Simracing in der Welt von eSports nach vorn zu bringen. Mein neues Team SDL eSports ist sehr erfahren und erfolgreich. Dieses Team hat in anderen Spielen schon viele Meisterschaften gewonnen. Ich hoffe, dass es eine langfristige Zusammenarbeit ist.“

Frage: „Strebst du auch eine Karriere im echten Rennwagen an?“
Nándori: „Natürlich. Da unterscheide ich mich nicht von anderen Simulatorfahrern. Ich glaube aber nicht, dass der Einstieg so einfach ist. Der echte Rennsport ist sehr teuer und ich habe noch nicht im Lotto gewonnen.“

Die ganze Action vom eSports Event am Slovakiaring wird auf der Facebook-Seite und dem YouTube-Kanal der WTCC am Sonntag ab 19:00 Uhr MESZ live gestreamt. Die Kommentatoren sind James Kirk und Robert Wiesenmüller. Hier gibt es weitere Informationen zu eSports WTCC.

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