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WTCC Interview: Thed Björk, FIA Tourenwagen Weltmeister 2017*

WTCC Interview: Thed Björk, FIA Tourenwagen Weltmeister 2017*

04/12/2017 12:00

Thed Björk schlug am Freitagabend (1. Dezember) in Katar in einem dramatischen Titel-Showdown Norbert Michelisz und wurde FIA Tourenwagen Weltmeister 2017.

Im Interview blickt der für Polestar Cyan Racing Volvo fahrende Schwede auf den „größten Moment in seiner Karriere“ zurück.

F:
Du bist mit einem Vorsprung von 6,5 Punkten in der FIA Tourenwagen Weltmeisterschaft nach Katar gekommen und als Weltmeister nach Hause gereist. Wie gut fühlt sich das an?
A:
„Es ist einfach unglaublich! Mittlerweile bin ich etwas zur Ruhe gekommen, aber direkt nach dem Rennen war es völlig verrückt, es gab so viele unterschiedliche Gefühle. Ich habe mich am Steuer richtig gut gefühlt. Nach den Problemen von Honda und Norbert [Michelisz] war es zwar etwas einfacher, aber ich hatte die gesamte Saison lang gespürt, dass ich die Meisterschaft gewinnen kann. Aus meiner Sicht habe ich sie in Macau gewonnen. Ich war zum ersten Mal dort, während die anderen Jungs schon jahrelang dort gefahren waren und die Strecke dementsprechend gut kannten. Dort wollte ich einfach nur meine Meisterschaftsführung verteidigen, denn ich wusste, dass Norbert dort richtig schnell ist. Jetzt fühlt es sich einfach gut an.“

F:
Schweden hat schon viele Rallye-Weltmeister hervorgebracht, aber noch nie einen auf der Rundstrecke. Was bedeutet dir das?“
A:
„Seit ich mit dem Rennsport angefangen habe, träumte ich davon, erster schwedischer Weltmeister auf der Rundstrecke zu werden. Ich kann meine Gefühle kaum in Worte fassen, das ist mit abstand der größte Moment in meiner Rennfahrer-Karriere. Beim Saisonfinale lief alles nach Plan. Großer Dank dafür an jeden einzelnen im Team, sie sind genau so Weltmeister wie ich.“

F:
Du sagst, Weltmeister zu werden war ein Traum von dir. Kannst du schon glauben, dass es wahr geworden ist?
A:
„Als Kind wollte ich immer Formel-1-Weltmeister werden. Das war nicht möglich, daher ist das hier unglaublich. Ich habe zwar diesen Titel gewonnen, lebe aber weiter meinen Traum und bin Rennfahrer. Ich bin sehr glücklich, diesen Moment mit euch allen zu teilen und habe großen Respekt vor jedem einzelnen.“

F:
Vor zwei Jahren gab es Polestar Cyan Racing als Team in der FIA Tourenwagen Weltmeisterschaft noch gar nicht und nun verlasst ihr Katar mit zwei WM-Titeln im Gepäck. Wie viel Arbeit vor und hinter den Kulissen steckt hinter diesem Erfolg?
A:
„Es ist fantastisch, ein Teil dieser Gruppe zu sein. Wie alle Rennteams kämpfen wir hart um Rennsiege und Meisterschaften. Wenn man sich ein Ziel setzt und es dann erreicht, ist das unglaublich. Wir wollten in diesem Jahr Weltmeister werden, was ursprünglich aber nicht so geplant war. Wir hatten gedacht, dass wir mehr Jahre brauchen, um um die Weltmeisterschaft zu kämpfen, aber mein Boss sagte: ‚Mach‘ es jetzt, mach‘ es in diesem Jahr.‘ Das bedeutet eine Menge Druck, aber gleichzeitig sagte er auch, wie sollten Spaß haben. Und den meisten Spaß hat man, wenn man gewinnt. Das ist ein großes Ziel. Ich freue mich, dass ich zusammen mit Nicky [Catsburg], Néstor [Girolami] und Yvan [Muller] meinen Teil dazu beitragen konnte. Ich denke in diesem Moment aber auch an Tiago [Monteiro], der wegen eines Unfalls aus der Meisterschaft ausscheiden musste. Ich habe großen Respekt vor ihm, vermisse ihn sehr und wünsche ihm alles Gute. Ich hoffe, dass er zurückkommt und sich eine Meisterschaft holt, denn er hätte es verdient. Es wäre schön, wenn ich auch gegen Tiago hätte kämpfen können. Andererseits ist Yvan zurück, und es war wirklich fantastisch, wie er im Eröffnungsrennen Rob [Huff] hinter sich gehalten hat. Das war eine gute Teamleistung, die mir das Leben leichter gemacht hat.“

F:
Was hast du gedacht, als Norbert Michelisz im Training am Donnerstag so schnell war. Hat dich das beeinflusst?
A:
„Das hat uns einigen Schlaf gekostet! Wir haben im Briefing gesessen und überlegt, was wir tun können. Wir haben letztlich das gemacht, was wir das ganze Jahr gemacht haben und nicht allzu viel verändert. Wir mussten schauen, dass jedes Detail passen muss. Nachdem Esteban [Guerrieri] und Norbi so schnell waren, dachten wir nicht, dass es heute einfach wird. Dann hatte Norbi aber Probleme und das Pendel hat umgeschwenkt. Das war gut für uns, und im Motorsport kann alles passieren.“

F:

Du hast viermal die Skandinavische Tourenwagenmeisterschaft gewonnen, aber war der Kampf um den WM-Titel dein bisher härtester?
A:
„Ja, auf jeden Fall. Das hier ist ein ganz anderes, höheres Niveau. Wir haben so viel Arbeit in das Auto gesteckt, und zu gewinnen ist hier vier schwieriger. Es war verrückt, und ich muss Honda meinen Respekt bekunden. Abgesehen von ihren technischen Problemen war es ein großer Kampf.“

*vorbehaltlich der offiziellen Bestätigung durch die FIA

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