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WTCC Rennen von Portugal: Interview mit Tiago Monteiro

WTCC Rennen von Portugal: Interview mit Tiago Monteiro

16/06/2017 18:00

Die Beliebtheit von Tiago Monteiro in seinem Heimatland Portugal wurde gewaltig größer, als er im vergangenen Jahr vor tausenden von jubelnden Fans in Vila Real das WTCC Rennen von Portugal gewann. Nun blickt der Fahrer vom Castrol Honda World Touring Car Team mit großen Hoffnungen auf die Neuauflage vom 23. bis 25. Juni voraus.

Beim WTCC Rennen von Deutschland hast du die WTCC-Tabellenführung verloren. Wie schwer wiegt die Enttäuschung?
„Es war eine richtig gute Gelegenheit, die Tabellenführung zu verwalten. Doch aufgrund eines Reifenschadens, der mich im Eröffnungsrennen des Wochenendes in die Leitplanke beförderte, war das nicht möglich. Das war natürlich extrem frustrierend, aber ich bin unglaublich stolz auf meine Jungs, die es geschafft haben, das Auto bis zum Hauptrennen wieder aufzubauen. Da ich aber aus der Boxengasse starten musste, waren WM-Punkte nahezu unmöglich zu erreichen.“

Glaubst du, dass du trotzdem noch um den WM-Titel kämpfen kannst?
„Absolut. Ich mag die Tabellenführung verloren haben, aber es liegt noch mehr als die Hälfte der Saison vor uns.“

Stehst du am kommenden Rennwochenende in Vila Real unter besonderem Druck?
„Ich kann es nicht leugnen, dass es riesigen Druck gibt. Den mache ich mir von Haus aus selbst. Ich habe hart gearbeitet, um es soweit zu bringen. Ich darf mich glücklich schätzen, seit 10 Jahren ein Werksfahrer zu sein. Trotzdem hat man nicht jedes Jahr die Chance, um den Titel zu kämpfen. Es gab eine Zeit, da war ich gar nicht bereit für den Titelkampf. Ich kämpfte gegen Spezialisten mit viel mehr Erfahrung. Inzwischen bin ich angekommen. Wir wissen, dass wir um den WM-Titel kämpfen können. Das bringt natürlich zusätzlichen Druck mit sich. Gleichzeitig ist das aber auch ein Antrieb, unser Ziel zu erreichen.“

Welchen Einfluss hat die Unterstützung der Fans?
„Das kann schon mal richtig überwältigend sein, aber grundsätzlich ist es eine unglaubliche Motivation. Der Grund, weshalb ich im vergangenen Jahr in Vila Real gewonnen habe, war nicht zuletzt die große Motivation, die ich aus der Unterstützung der Fans schöpfte. Du weißt, dass du etwas Großes und Wichtiges erreicht hast. Dann siehst du die Reaktion der Leute und denkst ‚Wow!‘. So etwas vergisst man nicht.“

Was ist es, was das Wochenende in Vila Real für die Fans so besonders macht?
‚Es ist der Inbegriff eines Rennwochenendes. Man ist so nahe an der Action auf der Strecke dran. Man ist den Autos so nahe und kommt den Fahrern näher als anderswo. Das alles passiert mitten in der Stadt und die Stimmung ist verrückt. Die Leute jubeln und schreien. Die Videos und Fotos aus dem vergangenen Jahr zeigen, welche Bedeutung das Wochenende für die Leute hat.“

Was macht die Strecke so besonders?
„Es ist ein anspruchsvoller Kurs, den ich gerne mit Macao vergleiche. Vila Real ist kürzer als Macao, aber genauso schwierig, denn es gibt viele schnelle Kurven und viele Bodenwellen. Zudem gibt es jedes Jahr etwas Neues: Randsteine, Schikanen, neuen Asphalt. Somit muss man immer dazulernen und sich auf neue Gegebenheiten einstellen.“

Wie sieht deine Vorbereitung auf das Wochenende in Vila Real aus?
„Für mich ist es die verrückteste Woche im ganzen Jahr. Nicht nur die Medien verlangen nach mir, auch die Partner und die Fans. Es gibt viele Verpflichtungen und Termine. Das alles zieht Zeit und Energie, aber schließlich ist es unser Job und den lieben wir über alles. Am Montag und Dienstag gibt es eine Reihe von PR-Verpflichtungen. Am Mittwochnachmittag fahre ich an die Strecke, die eine Stunde von meinem Heimatort entfernt liegt. Dann bleibe ich bis zum Ende des Wochenendes in Vila Real. Ich könnte auch nach Hause fahren, aber ich will es nicht riskieren, auf der Straße einen Reifenschaden oder dergleichen zu erleiden. Am Donnerstag und Freitag gibt es weitere PR-Verpflichtungen. Dann wird es so richtig ernst.“

Was würdest du eigentlich tun, wenn du kein Rennfahrer geworden wärst? Gab es einen Plan B?
„Meine Familie ist im Hotel-Business aktiv. Ich habe in der Schweiz Hotelmanagement studiert. Ich liebte es und das war die Richtung, die ich einschlagen wollte. Doch nach meinem Studium hatte ich die Gelegenheit, einen Rennwagen zu fahren. Ich wollte den Rennsport zunächst als Hobby betreiben. Dann aber wurde ich entdeckt und erhielt einige gute Möglichkeiten. So habe ich die Entscheidung getroffen, dass das Hotelmanagement warten kann. Wenn es im Motorsport nicht geklappt hätte, hätte ich immer noch ins Hotelgeschäft zurückgehen können. Inzwischen fahre ich im 20. Jahr Rennen und kann nur sagen, dass es besser und besser wird.“

Das klingt so, als könnte dein Leben nicht viel besser laufen?
„Ich habe nichts anderes probiert, aber ich bin so glücklich, dass ich meine Leidenschaft, die da heißt Motorsport, ausleben kann. Ich liebe es einfach. Klar, Astronaut oder Kampfjet-Pilot wären auch coole Jobs, aber ich reise um die ganze Welt, um die schnellsten Autos für die einducksvollsten Teams, Partner und Marken zu fahren. Das ist wirklich unglaublich und ich ich darf mich glücklich schätzen, in dieser Position zu sein.“

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